Laugavegur, Trekking von Landmannalaugar nach Þórsmörk
Laugavegur Warme Quellen zum Start des Trekkings in Landmannalaugar
Einer der schönsten Treks in Island, wenn nicht einer der schönsten in ganz Europa ist der Trek von Landmannalaugar nach Þórsmörk. Der Laugavegur (auf deutsch "Weg der heißen Quellen") ist insgesamt 54km lang und wird in der Regel in 4-6 Tagen absolviert. Für die fitten Trekkingfreunde ist es möglich den Trek über der Fimmvörðuháls Pass bis an die Küste nach Skógar zu verlängern. Prinzipiell kann man den Trek in beiden Richtungen absolvieren. Übernachten kann man entweder in Hütten oder man kann mit dem Zelt an den Hütten zelten. Egal für welche Übernachtungsmöglichkeit man sich entscheidet zwingend notwendig ist es auf jeden Fall ausreichend Lebensmittel für die Tage mitzunehmen, da es während des Treks keine Möglichkeit gibt Lebensmitteln nachzukaufen.
Wir wollten den Trek in Landmannalaugar starten und dann bis nach Porsmörk durchwandern. Wir sind damals von Skaftafell mit dem Autobus angereist. Allein die Anreise ist sehr eindrucksvoll, man durchquert mit dem Bus die schwarze Aschewüste und hat immer wieder Blick auf Vulkane und Seen. In Landmannalaugar selbst hat man das Gefühl sich mitten in einem Basecamp zu befinden. Auf dem relativ provisorisch angelegten Zeltplatz sind viele Zelte zu sehen und in zwei alten Bussen wird man mit Lebensmitteln etc. versorgt. Hier kann man sich auch zum letzten Mal mit Lebensmitteln und Gas für den Trek versorgen. Allerdings ist es empfehlenswert sich bereits vor der Anreise mit den Basis-Lebensmitteln einzudecken – etwas frischen Nachschub oder vergessene Sachen, kann man dann hier noch nachkaufen. Neben dem Camp gibt es auch noch eine Herberge in der man sich etwas luxuriöser betten kann. Neben der atemberaubenden Aussicht sind sicherlich die heißen Quelle direkt in der Nähe des Campingplatzes ein Highlight. Es ist unglaublich entspannend nach einem kalten und nassen Tag im engen Zelt sich dort einfach zu entspannen, sehr schnell wird der prasselnde Regen zur kühlenden Dusche in heißen Quellen. Bitter kalt wird es erst wieder wenn man sich nach dem Bad wieder fertig macht um zurück ins Zelt zu kommen. Das Aussteigen aus dem gemütlich warmen Quellwasser ins kalte isländische Nass ist doch nichts für jedermann. Allerdings kann man ja auch Glück mit dem Wetter haben und man geht vom heißen Nass ins warme Trockene… leider hatten wir dieses Glück aber nicht.
Unser Ziel war es den Trek mit dem Zelt zu absolvieren, wir hatten auch schon die Tage davor gecampt und dachten, dass wir für Wind und Wetter gut gewappnet waren. Nachdem es aber kontinuierlich mehrere Stunden heftig windete und regnete haben wir überlegt ob wir die Tour schon am Ausgangspunkt abbrechen sollten, denn die Verhältnisse und die Vorhersage für die kommenden Tage waren nicht gerade vielversprechend. Mit dem Zelt hatte es also auf der ersten Etappe keinen Sinn die Tour anzugehen (zudem war unser Zelt schon nass). Um uns dennoch nicht völlig die Tour zu versauen haben wir uns entschieden bei der Hüttenverwaltung anzufragen, ob noch ein Platz in der nächsten Hütte frei war. Nach etwa 1h bekamen wir das OK, das eine andere Gruppe abgesagt hatte und wir deren Platz in der Hütte einnehmen konnten. Mit der Sicherheit eines festen Daches über dem Kopf haben wir uns entschieden die erste Etappe anzugehen. Bei strömenden Regen und konstant starken Wind machten wir und also vom Campingplatz auf Richtung 1. Hütte auf dem Trek. Insgesamt war die erste Etappe mit rund 12km doch gut an einem Tag zu absolvieren.
Zunächst lief es relativ gut es ging zuerst relativ flach los und auch das Wetter spielte mit. Wir konnten doch einiges von der wunderschönen Natur sehen und unsere Blick ein wenig kreisen lassen. Der Weg führt vorbei an kleinen Lagunen und an qualmenden Schwefelquellen. Nach etwa 1,5km stieg die Route langsam an und das Wetter wurde schlagartig schlechter, der Wind frischte wieder gewaltig, so dass wir keine Chance hatten unsere Regenponchos rechtzeitig anzuziehen, diese flatterten auch noch 1h nach dem ersten anziehen ohne jegliche Regenschutzfunktion an unserem Körper herum. Auch die nach unserer Meinung ganz guten Outdoorjacken zeigten eindeutige Schwächen in der Wasserdurchlässigkeit, nass triefend machten wir uns auf den Weg durch die Schneefelder die auf dieser ersten Etappe zu durchqueren sind. Keine Probleme hatten wir mit dem Finden des richtigen Weges, der Weg ist nach unserer Meinung an diesem Tag sehr gut ausgeschildert, immer wieder sieht man die roten Holzstangen in Steinhäufen stecken die einem den richtigen Weg zu Hütte zeigten. Durch die Wetterstrapazen gekennzeichnet erreichten wir nach ca. 3.5h die Hütte und wir konnten es in unserem Zimmer mit vielen anderen durchnässten Wanderern bequem machen. Glücklich schätzten wir uns vor allem darüber dass wir ein Dach über den Kopf hatten, Mitleid hatten wir allerdings mit den Campern die verzweifelt versuchten ihrem Zelt bei diesem Wetter Halt zu geben.
Im Laufe des Tages wurde das Wetter immer schlechter, so dass den Campern am späten Abend sogar gewährt wurde auf der Veranda der Hütte zu zelten, dort hatte man wenigstens die Chance sein Zelt zu befestigen. Gegen Abend nahm der Funkverkehr zwischen den einzelnen Hütten zu, denn es fehlten noch Leute auf der Strecke. Auf dem Trek ist es obligatorisch, dass man sich bei jeder Hütte an- und abmeldet was einem speziell bei diesem Wetter doch einiges an Sicherheit gab. Nach eine ruhigen Nacht im 12- Bett Zimmer hofften wir am nächsten Tag auf Besserung, so dass wir wie geplant weiterwandern konnten, leider wurde unsere Hoffnung im Keim erstickt. Zusätzlich zu Wind und Regen hat sich in der Nacht der Nebel zu den Wetterkapriolen gesellt und machte die Bedingungen so noch schlechter. Wieder standen wir vor der Frage umdrehen oder weiter, nachdem wir wieder eine Hütte ergattern konnten entschieden wir uns zunächst für ein Weiter, doch schon nach ein paar hundert Metern und dem unfreiwilligen Kontakt mit Schmelzwasser wussten wir das es wohl sinnvoller wäre umzukehren. Schweren Herzens machten wir uns zurück auf den Weg zum Ausgangspunkt. Wieder ging es zurück über die Schneefelder doch mit der eingeschränkten Sicht und dem immer stärker werdenden Winden war der Rückweg kein Spaziergang mehr. Immer wieder mussten wir uns orientieren um den richtigen Weg zu finden. Teilweise wurden wir von den Windböen auf dem glatten Untergrund hingelegt. Bei jeder Pause bestand die Gefahr auszukühlen, so dass wir diese auf ein Minimum reduzierte. Völlig durchnässte kamen wir nach ca. 2,5h wieder am Ausgangspunkt an. Dort versuchten wir uns in der Toilette mit ca. 100 anderen Trekkern und Campern wieder trocken zu legen, denn in der Nacht wurde auch der Campingplatz in Landmannalaugar gehörig unter Wasser gesetzt.
Am Mittag entschieden wir uns dann mit einem der Sonderbusse zurück in die Hauptstadt zu pilgern um dort dann zu entscheiden wie wir weitermachen wollten. Der Campingplatz in Landmannalaugar wurde auch aufgrund des schlechten Wetters geräumt. Auch wenn wir die Tour nicht beenden konnten, war es dennoch ein unvergessliches Erlebnis.
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